Lösung gegen das Stottern gefunden?Flüssiger Sprechen dank Sprechmanager
BRISANT | 19.09.2008 | 17:15 Uhr http://www.mdr.de/brisant/gesundheit/5780789.html
Marilyn Monroe, Winston Churchill oder Bruce Willis: Wer stottert ist in bester Gesellschaft. Selbst Deutschlands Schnellsprecher Nummer 1 Dieter Thomas Heck hat in jungen Jahren gestottert. Das Schlimmste an der Sprachstörung ist die Angst davor. Mithilfe einer neuen Methode, dem sogenannten Sprechmanager, können Stotterer jetzt auf schnelle Hilfe hoffen.
Flüssiger Sprechen dank Chor-Effekt
Rund 800.000 Menschen stottern in Deutschland. Es gibt nur wenige Wege, den Betroffenen zu helfen. Auch Ingo Roderfeld kann seit seiner Kindheit nicht flüssig sprechen. Vergeblich hat er versucht, seine Sprachbehinderung loszuwerden. Ein Phänomen, das zur Hilfe führen kann, ist der Chor-Effekt. Wenn zwei Personen gleichzeitig reden, spricht der sonst Stotternde auf einmal flüssig. Der Chor-Effekt funktioniert sogar, wenn zwei Stotterer zusammen sprechen. Genau dieser Effekt wird bei einem neuen Gerät genutzt, das in den Niederlanden entwickelt wurde. Der rund so genannte Sprechmanager wird direkt ins Ohr eingesetzt und simuliert dort den Choreffekt. Mit Aufnahme- und Wiedergabefunktion ausgestattet, bringt das Gerät alles Gesprochene zeitverzögert ins Ohr des Stotterers. "Alles Gesprochene wird wie ein Videotape aufgenommen, dann aber sehr schnell wieder aufgespielt", erklärt Ivo Pans. "Das Gerät wiederholt im Ohr alles Gesprochene, sodass eine Person das Gefühl hat, zusammen mit einer anderen Person zu reden", so der Vertreiber des Sprechmanagers.
"Ich würde bestimmt kommunikativer werden"
Ingo hat die Funktionsweise des Sprechmanagers erprobt. Das kleine Gerät wird hinter dem Ohr getragen. Ein kleines Röhrchen führt in den Gehörkanal. Tatsächlich spricht Ingo mit dem Sprechmanager im Ohr deutlich flüssiger. Andreas Starke ist Logopäde und betreut Ingo seit einigen Jahren. Als Fachmann in Sachen Stottern sieht er den Sprechmanager kritisch. "Die Idee ist vielversprechend. Ob sie wirklich greift, weiß man aufgrund mangelnder Praxisdaten nicht", so Andreas Starke. Ingo aber hat den Eindruck, dass ihm der Sprechmanager tatsächlich helfen könnte. "Ich würde bestimmt kommunikativer werden und dadurch vielleicht auch Erlebnisse haben, die ich bisher so noch nicht kenne", sagt Ingo. Gern hätte er deshalb den Sprechmanager im Ohr behalten. Er hofft, dass er ihn sich irgendwann leisten kann. Im Moment ist das rund 4.000 Euro teure Gerät für Ingo einfach noch zu teuer.
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